Synchronsprecher im Protest – KI in der Synchron-Branche

Autor:

Jahallo,

heute wollen und müssen wir über ein sehr ernstes Thema reden. In der deutschen Synchronszene geht es zurzeit besonders um ein Thema – Künstliche Intelligenz. Die Sprünge, die in den letzten Jahren in dieser Technologie erreicht wurden, grenzen an Wunder und eröffnen tausende Möglichkeiten – bergen aber auch Risiken für Künstler und die Kunst selbst.

Angefangen bei Bildern – Grafiker, Maler und andere Bildkünstler leben von sogenannten Commissions, das heißt Aufträgen von Fans, Zuschauern und Firmen. Durch die Fortschritte in der KI-Technologie werden diese in den Augen einiger Leute obsolet – warum jemanden bezahlen, wenn man sich das gewünschte Bild auch von einem Computer erstellen lassen kann.

Symbolbild: Künstliche Intelligenz, Pixabay

Wir wollen an dieser Stelle transparent sein: Wir benutzen selbst KI-erstellte Bilder, um unseren Blog zu gestalten – diese bearbeitet unsere Grafikfee Ri-Chan dann nach, damit sie perfekt in das Gesamtdesign passen. Jedoch haben wir uns selbst den Grundsatz auferlegt, dass, sobald wir es uns leisten können, die Bloggrafiken von echten Künstlern per Commissions gezeichnet werden sollen. Dieses Thema ist uns wichtig und die Entscheidung wird vom gesamten Team getragen.

Ein KI-Machwerk kann nie die Liebe und Emotion, die in ein Werk fließen, ersetzen. Dies gilt sowohl für Bild und Videomaterial, als auch für Lieder und Synchronisation.

Besonders auf Instagram machen Synchronsprecher, allen voran Cédric Cavatore, David M. Schulze und Mayke Dähn, auf ein Problem in der Videospielindustrie aufmerksam, welches sich bald auch auf die gesamte Synchronszene, auch im Anime-Bereich, ausweiten könnte.

Große Publisher wie zum Beispiel Ubisoft, Bethesda und Microsoft sollen in ihren Verträgen undurchsichtige Klauseln bezüglich der Nutzung der Synchronstimmen zum Training von KIs eingearbeitet haben. Diese äußern sich in komplexen Fachbegriffen, Fremdwörtern und Verklausulierungen von Zusammenhängen, um sie für die Synchronsprecher möglichst undurchsichtig zu gestalten. Zusammengefasst: Die Synchronsprecher sollen ihre Stimme freigeben, damit sich große Publisher ohne weitere Kosten per KI ihre Texte selbst „einsprechen“ können.

Die Synchronsprecher führen eine simple, aber effektive Lösung für das Problem an: Eine rechtssichere KI-Ausschlussklausel vom VDS, einer Art „Gewerkschaft“ für Synchronsprecher in Deutschland, um die Stimmen der Sprecher zu schützen.

„Die Nutzung der Darstellung bzw. der Stimme, ihrer Modulation, Klangfarbe, der damit verbundenen Gestik sowie aller vergleichbaren Merkmale des/der Sprechers/Sprecherin ist ausschließlich für den im vorliegenden Vertrag genau definierten Zweck und die konkrete Produktion erlaubt. Die Verwendung der Darstellung bzw. der Stimme sowie aller ihrer Merkmale zur Einspeisung (einschließlich dem Text- und Data-Mining), Archivierung, zum Training, zur Simulation oder für sonstige Aktivitäten im Rahmen von Künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen, Robotik, Computerspielen oder jeder anderen Methodik, die darauf abzielt, die Stimme zu nutzen oder zu verändern (einschließlich dem Klonen der Stimme), ist ohne ausdrückliche Vereinbarung nicht gestattet.“

Quelle: VDS

Diese ist rechtssicher und verständlich – vor allem Mayke Dähn macht darauf aufmerksam, dass Sprecher sich nicht auf fadenscheinige Klauseln zum Ausschluss von KI einlassen sollten, sondern exakt die vom VDS zu nutzen!

Egal ob in Videospielen, Filmen, Serien oder in unseren liebsten Anime. Wir sind in Deutschland mit fantastischen Synchronsprechern gesegnet und diese sollten für ihre unglaubliche Arbeit auch bezahlt werden. Wir möchten unsere Spiele und Serien nicht von einer Software, sondern von echten Menschen erzählt bekommen. Sollten sich die Vorwürfe also erhärten, dann müssen die Publisher dringend dazu Stellung beziehen und sich um eine Streichung der komplexen Klauseln bemühen. Die Stimmen gehören ihren Sprechern – so soll es auch bleiben.

Danke, dass ihr bis hierhin gelesen habt und besonderen Dank an alle Sprecher und Zuschauer, die auf dieses Thema aufmerksam machen und es weiter verbreiten.

Macht es gut!

Info: Zu dem Thema gibt es bislang keine öffentliche Stellungnahme der genannten Publisher, wir beziehen unsere derzeitigen Informationen aus den unten verlinkten Videos der Synchronsprecher. Wir werden das Thema weiterverfolgen und wenn sich neue Sachverhalte ergeben, Nachreichungen zu diesem Beitrag veröffentlichen.
Wir hoffen inständig, dass die Publisher auf die Sprecher zukommen, um zu einer Einigung zu gelangen, zum Wohle der Kunst und der Synchronszene.

Videoquellen:
https://www.instagram.com/p/C-7oEBNsU13/ (David M. Schulze)
https://www.instagram.com/p/C_Dv9yDsvrU/ (Mayke Dähn)
https://www.instagram.com/p/C_C-Y3fsrXJ/ (Cédric Cavatore)



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert