Wir alle kennen es doch, dieses Gefühl, wenn man sich durch die aktuelle Simulcast-Season klickt, enttäuscht über die eine Woche Wartezeit, die nun ansteht, bis man wieder mit neuem Content seiner liebsten Anime versorgt wird. Ganz zufällig trifft man dann aber auf einen interessanten Titel. Er ist nicht besonders spannend, doch durch seine Romanlänge sticht er dir ins Auge. Er erzählt von einem durchschnittlichen, japanischen Schüler, der als Getränkeautomat in einer anderen Welt wiedergeboren wird, deinen Augen und Lesekünsten nicht trauend, startest du aus reiner Neugier die erste Folge.
Nach fünf Minuten des Schauens kommt dir dann die Frage, „Warum wird so ein Müll eigentlich produziert?”. Tja, um die Antwort auf diese Frage zu finden, bist du in diesem Artikel goldrichtig. Ich würde die Frage aber etwas anders auslegen und zwar “Schadet der ungebremste Isekai-Hype langsam der Animeindustrie?”, das ist erstmal eine schwarzmalerische Vorstellung, doch wenn man sich dann den aus feinster Kreativität entsprungenen Getränkeautomat ansieht, können schnell Zweifel für die Zukunft aufkommen.
Zunächst mal schauen wir uns die Zahlen an, wie viele neue Isekai kamen denn in der aktuellen Sommer-Season, dank meinem Freund und Helfer MyAnimeList konnte ich sieben neue Isekai herausfiltern. In der aktuellen Season laufen insgesamt 56 Animeserien, auf den ersten Blick erscheint das nicht viel, jedoch sind ungefähr 12% aller neuen Serien ein klares Zeichen. In der Frühlings-Season waren es 5 Isekai und aufgerundet 10% der kompletten neuen Animeserien. Das zieht sich schon seit Jahren so, nur wie sind wir bis zu diesem Punkt gekommen?
Der 2012 erschienene Anime “Sword Art Online” war der Türöffner für das heutige Isekai-Genre, aber nicht nur das, hier in Deutschland erreichte er viel Popularität und war für viele von uns der erste Anime. Er verhalf Anime in Deutschland nach den Jahren 2010 und 2011 wieder Fuß zu fassen, wenn euch das Thema näher interessiert, dann fühlt euch gerne dazu eingeladen auch unseren Blogeintrag “Anime in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte” zu besuchen.
Vor “Sword Art Online“ gab es natürlich auch schon Isekai-Anime wie zum Beispiel “Zero no Tsukaima“, der 2006 erschien, jedoch erreichten diese nicht den Durchbruch, den SAO erzielte.

Der eigentliche Punkt ab dem Isekai immer öfter in den Seasons vertreten war und sich langsam das Bild von heute abzeichnete war meiner Ansicht nach die Veröffentlichung von “The Rising of the Shield Hero” im Jahr 2019, er schlug ein wie eine Bombe und ab da trauten sich viele Anime-Publisher mehr in die Isekai Richtung zu gehen.
Natürlich konnten viele gute Isekai-Anime davor schon eine große Fanbase für sich gewinnen, als Beispiel das 2015 erschienene “Overlord”, oder “Konosuba” das 2016 sein Debüt fand, jedoch brachten diese den Stein nicht so sehr ins Rollen wie es 2019 der Fall war. Sie bauten jedoch wahrscheinlich ein gutes Stück der Straße, auf der der Stein anfing zu rollen.

Aber wie konnten wir von diesen einzigartigen und bekannten Anime, in die standard europäische, mittelalterliche Isekai-Stadt, die auf einer Minecraft-Flachland Grasfläche, umrundet von den immergleichen Stadtmauern haust, abrutschen?
Die Antwort ist recht simpel und zwar Geld. Genau wie eine gierige, rote Krabbe mögen auch die Animepublisher Moneten, bei den erfolgreichen Werken gesehen und dann maximal mühelos abgekupfert, hofft man auf einen Durchbruch mit dem geringsten Aufwand. “Kamikatsu: Working for God in a Godless World”, das im Frühling 2023 erschien, ist ein perfektes Beispiel hierfür. Der Anime nutzt die standardmäßige Isekaiformel, gepaart mit absichtlich schlechtem CGI (welches günstig ist) und einer komplett abgedrehten Story, plus Humor. Er erlangte eine gute Menge Aufmerksamkeit aufgrund dieses absichtlichen Trashfaktors, mir gefiel er zwar, jedoch treibt der Getränkeautomat diesen Bullshit noch auf ein anderes, für mich nicht verkraftbares Level.
Die Devise “Wir verwandeln Müll in Gold” ist kein spezielles Isekai Problem, eher ist es die Animeindustrie selbst die sich das aufbürdet. Wie ich zuvor erwähnte kommen pro Season mittlerweile über 50 Anime raus, im Vergleich zu Realfilmproduktionen ist das eine immense Menge. Ob es eine gute Strategie ist, viele Serien in niedriger Qualität rauszuhauen, anstatt weniger Serien, aber in guter Qualität bleibt jedem selbst überlassen. Doch darf man hier nicht vergessen, dass Anime meist immer noch Werbung für den Manga oder die Lightnovel sind. Isekai ist hier auch eher das Werkzeug als das Problem, wenn es Isekai nicht gäbe, würden die Publisher sich andere Hypethemen suchen und daraus ihren unkreativen Schrott machen.
Mal am Rande bemerkt ist es völlig okay, wenn dich werter Leser auch genau dieser liebliche Schrott unterhält, ich selbst habe meinen Spaß an Kamikatsu gefunden und viele Leute fanden auch den Getränkeautomat wahrscheinlich ganz unterhaltsam.
Wenn wir also zu unserer Frage zurückkommen ob die bösen Isekais nun die Kreativität unseres liebsten Entertainmentbereichs rauben und ihn damit zerstören, kann ich das nur verneinen. An den 10% Isekai in den letzten Seasons sieht man eher, dass das Isekai-Genre immer noch funktioniert, auch wenn viel Schrott dabei ist. Wenn keine Nachfrage da wäre, würden auch keine derartigen Bewegbildproduktionen mehr produziert werden. Ein großes ABER an dieser Stelle, ich kann absolut nachvollziehen, wenn man mittlerweile die Schnauze voll von den etlichen OP-Protagonisten in den immer gleichen Welten und den immer gleichen Waifusquads hat. Ich selbst habe mich vor einiger Zeit immer weniger mit den aktuellen Seasons auseinandergesetzt, weil ich eben keine Lust mehr darauf hatte. Vorallem diese stumpfen, standard Animationen sind manchmal echt schmerzhaft, aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Beitrag.
Die Titelfrage kann ehrlich gesagt nur jeder für sich selbst beantworten, ich würde das Ganze für mich als schleppenden Segen betiteln, da der Schrott so eher weniger in meine favorisierten Genres kommt.
Ich bedanke mich fürs Lesen dieses kleinen Beitrags, teilt uns gerne mit, was Ihr von dem Thema haltet und auch gerne welche eure liebsten Isekai-Serien sind.
Macht es gut!
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